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Schachtraining

Großes 1x1: Das Matt mit Springer und Läufer (von Erhard Frolik)

Zwar sollen schon Großmeister daran gescheitert sein, aber mittels des Dreiecksverfahrens läßt sich aus jeder beliebigen Stellung auf einfache Weise ein Matt erzwingen.

Der ehemalige Weltmeister Emanuel Lasker schrieb in seinem berühmten "Lehrbuch des Schachspiels":Mit Läufer und Springer endlich läßt sich das Matt erzwingen, wiewohl auf verwickelte Art. Wahrlich wahr, dass das Ganze verwickelt ist, haben schon viele Spieler während einer Partie auf schmerzliche Art erfahren müssen. Dies beruht vor allem auf folgenden Gründen:

Aber es gibt ein Verfahren, das das Mattsetzen mit Springer und Läufer mit ein wenig Übung fast so einfach macht, wie das Matt mit Dame, Turm oder zwei Läufern. Und zwar mit dem Dreiecksverfahren!

Was ist ein Dreiecksverfahren?

Das Dreiecksverfahren wurde erstmals von Deletang im Februar 1923 veröffentlicht (La Strategie) und besagt, dass das Brett in drei rechtwinklige Dreiecke eingeteilt wird (groß, mittel, klein):

Graphische Darstellung der Linien

Das Mattsetzen geht folgendermaßen:

Sehen wir uns das an einem praktischen Beispiel an: Andre Cheron 1964

1.Lc2 Ke3 2.Kc1! Nun bewacht der weiße König richtigerweise das andere Ende der Hypotenuse! [2.Kc3? so Ke2 und infolge des falschen Manövers des weißen Königs kann der schwarze König nicht mehr zurückgetrieben werden]

2...Ke2 3.Lg6 Ke3 [3...Kf2 so 4.Kd2]

4.Kd1 Kf2 [auf 4...Kf3 folgt 5.Kd2 Kf2 6.Lh5]

5.Kd2 Kf3 auf jeden anderen Zug würde 6.Lh5 folgen

6.Kd3 Kg4 wieder würde auf einen anderen Zug 6.Lh5 folgen

7.Ke3 Kh4 8.Kf4 Kh3 9.Lh5... Und der schwarze König ist in dem mittleren Dreieck eingeschlossen

9....Kg2 [9...Kh4 10.Le2 Kh3 11.Sg5+ Kg2 12.Se4 Kh3 wie beim 14.Zug der Hauptvariante]

10.Ke3 Kg3 11.Le2 Kh4 12.Kf4 Kh3 13.Sg5+ Kg2 14.Se4... Das mittlere Dreieck ist geschlossen

14...Kh3 15.Kg5 Kg2 16.Kg4 Kh2 [6...Kg1 17.Kg3 Kh1 18.Sf2+ Kg1 19.Sh3+ Kh1 20.Lf3 matt]

17.Lf1...Übergang zum kleinen Dreieck

17...Kg1 18.Lh3 Kh2 19.Sc3 Kg1 20.Kg3 Kh1 21.Lg2+ Kg1 22.Se2 matt.

Nun viel Spaß beim Üben! (Quelle: Experten-Schach-Portal)

Einführung in die sizilianische Verteidigung (von Erhard Frolik)

Lest, wie man Sizilianisch spielt, wie es entstand und warum es bis zum heutigen Tag eine der beliebtesten Eröffnungen überhaupt ist.

Die Sizilianische Verteidigung entsteht, wenn Schwarz auf 1.e2-e4 mit 1... c7-c5 antwortet.

Der schwarze Zug wurde das erste Mal im Jahre 1594 in einem Buch des Italieners Giulio Polerio (1548 bis 1612) erwähnt. Einige Jahre später gab der stärkste Spieler der damaligen Zeit, Gioacchino Greco (1600 bis 1634) aus Italien, der Eröffnung den Namen "il giuoco siciliano": "Die sizilianische Partie".

Diese Verteidigung galt lange als minderwertig. So äußerte sich Siegbert Tarrasch (1862 bis 1934), einer der besten Spieler seiner Zeit, über die sizilianische Verteidigung so: "Gegen bestes Spiel führt sie zwangsweise zum Verlust". Aber die Zeiten haben sich gewandelt und heutzutage gilt Sizilianisch nicht nur als absolut vollwertige Verteidigung, sondern seit ungefähr 1950 ist sie eine der populärsten Eröffnungen überhaupt!

"Früher haben die Leute Schach gespielt, heute spielen sie Sizilianisch" oder: "Wer das Wesen der sizilianischen Verteidigung nicht versteht, für den bleibt auch das Schachspiel als solches ein Rätsel."(Ksieski) sind Aussagen, die die Bedeutung der sizilianischen Eröffnung zeigen.

Schwarz hat mit der Sizilianische Verteidigung bisher mehr Partien gewonnen oder verloren, als Remis gemacht. Denn die Sizilianische Verteidigung führt in der Regel zu einem harten Kampf! Die Remisquote ist geringer als bei anderen Eröffnungen. Dies beruht auf der asymmetrischen Bauernformation 1.e2-e4 c7-c5. Diese Tatsache erklärt auch, warum diese Eröffnung bei Spielern wie Fischer, Kasparov, Karpov, Kramnik und Anand so beliebt ist!

Die sizilianische Verteidigung bietet sehr viele Möglichkeiten und Varianten. Die wichtigsten sind die folgenden: nach den Zügen 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 d7-d6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 hat Schwarz verschiedene Fortsetzungen. So führt 5...g7-g6 zur Drachenvariante, 5...Sb8-c6 6.Lc1-g5 zur Richter-Rauser Variante, 5...e7-e6 zur Scheveninger Variante und 5...a7-a6 zur Najdorf-Variante, wobei viele Übergänge zwischen den Systemen durch Zugumstellung möglich sind. Nach 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 e7-e6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 entsteht die zweite wichtige Ausgangsstellung. Nun führt 4...Sb8-c6 zur Taimanow-Variante. Auf 4...Sg8-f6 5.Sb1-c3 führt 5...Sb8-c6 zur Vierspringervariante und 5...d7-d6 wieder zur Scheveninger Variante. Schwarz kann aber auch 4...a7-a6 antworten. Was darauf geschehen kann, zeigt die sehr illustrative
Partie Kindermann-Thesing.

Weniger gebräuchliche Züge im 2.Zug für Weiss sind.: 2.Sb1-c3, 2.d2-d3, 2.g2-g3, 2.Sg1-e2, 2.f2-f4, 2.c2-c4 oder 2.b2-b3. Schwarz antwortet auf alle diese Züge am Besten mit 2...Sb8-c6. Auf 2.c2-c3, die Alapin-Variante, entgegnet Schwarz am Besten 2...d7-d5. Daneben gibt es noch das wilde Morra-Gambit 2.d2-d4 c5xd4 3.c2-c3 und das Flügelgambit 2.b2-b4.

Die Schacheröffnungen werden heutzutage nach dem international gebräuchlichen ECO-Code des
Schachinformators gegliedert. Sizilianisch wird hierbei von B20 bis B99 geführt. Eine sehr gute Übersicht über alle sizilianischen Varianten mit Partien zum Download findet sich auf der Seite von Holger Möller. (Quelle: Experten-Schach-Portal)

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Wissenswertes

Song Du-Yul über Go

Wer glaubt, Schach sei etwas kompliziert, sollte sich vielleicht einmal im Go versuchen. Nach ein paar Spielen fallen einem die Entscheidungen im Schach dann möglicherweise ganz leicht. Go wurde bereits vor viertausend Jahren in Japan gespielt und soll einst von Kaiser Yao erfunden worden sein. Zur Zeit stammen die besten Spieler der Welt aus Korea. Dort entspannen sich die einfachen Leute beim "primitiven" Schach, während die Gebildeten sich im Go üben. Dr. René Gralla interviewte den deutsch-koreanischen Professor Song Du-Yul. Dieser war im September 2003 bei der Einreise nach Südkorea als vermeintlicher Spion Nordkoreas widerrechtlich festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Nach einer erfolgreichen Berufungsverhandlung kam er nach neun Monaten wieder frei. Interview in Neues Deutschland (Quelle: ChessBase vom 18.01.05)

"Verrückte Katzen und Betrunkene Elefanten" - Shogi im Neuen Deutschland

Neues Deutschland veröffentlichte ein von Dr.René Gralla geführtes Interview mit der französischen Shogi-Spielerin Stéphanie Delille. Diese war neben Kateryna Perepechay aus der Ukraine die einzige weibliche Teilnehmerin bei der vergangenen Europameisterschaft. Über ihren Manga-Laden „Baka Neko“ (jap.: "Verrückte Katze") in Colmar hat die 23-Jährige inzwischen eine schlagkräftige rein weibliche Shogi-Mannschaft zusammen getrommelt. In Hannover fand unterdessen am vergangenen Wochenende die Offene Deutsch Shogi-Meisterschaft statt. Shogi ist die japanische Variante des Schachs. Einer der wesentlichen Unterschiede besteht darin, dass man geschlagene gegnerische Figuren bei sich selber wieder einreihen kann. Diese Regel sorgt dafür, dass das Spiel weit schwerer zu berechnen ist als Schach und es keine wirklich guten Shogiprogramme gibt. Interview im Neuen Deutschland (c) ChessBase vom 22.11.04

Mehr Infos zu Shogi

Chinesisches Schach

Was für die westlichen Kulturen das Schach ist, ist für China das "Xiangqi". Beide Spiele haben dieselben Wurzeln, wobei sich die Historiker streiten, ob diese in Indien oder China liegen. Das Ziel des chinesischen Spiels ist das gleiche wie bei unserem "westlichen" Schach und wird mit den gleichen Methoden der Strategie und Taktik angestrebt. Natürlich gibt es einige Unterschiede: So werden z.B. die Steine auf die Schnittpunkte der Felder gesetzt. Es gibt einen Fluss und einen Palast, "reine" Verteidigungsfiguren und Kanonen.

Hintergrund und Historisches: Von chinesischem Schach haben die meisten hierzulande nichts gehört, selbst Schachspieler haben davon nur nebulöse Vorstellungen.Das ist kein Wunder. Die nicht zu unterschätzende Sprach- und Schriftbarriere, sowie einige Änderungen am Spiel, die Figurenaufstellung, -darstellung und Brettgestaltung betreffend, haben seine Ausbreitung ausserhalb Asiens sehr erschwert. Gewisse Vorurteile gegenüber der chinesischen Kultur, die uns kompliziert und unverständlich erscheint, haben diese Aversion noch verstärkt. Tatsächlich ist es bis heute in Schachkreisen Usus, dem chinesischen Schach Xiangqi (ausgesprochen: Hsiangtschi) seinen Charakter als Schachspiel abzusprechen und es auf das Niveau von Kinderspielen
zu verweisen. Dabei ist nichts ungerechter als dieses Urteil.

Die chinesische Schachkultur ist nicht nur älter als die abendändische Neuzeitliche, sondern auch auf dem Gebiet der theoretischen und darstellenden Literatur zumindest ebenso reichhaltig wie die Veröffentlichungen in allen europäischen Sprachen über "unser" Schach zusammengenommen. Xiangqi ist in China - besonders im volkreichsten Teil, dem Süden - populärer als "unser" Schach in der Sowjetunion.

Es wurde früher - ebenso wie im Europa der beginnenden Neuzeit - um Geld gespielt. Doch während dies dem abendländischen Schach durch Kirchenbann und Obrigkeitswort abgewöhnt wurde, blieb es in China bei diesem materiellen Anreiz, der das Spielniveau auch des "einfachen Mannes von der Strasse" im allgemeinen auf eine respektable Höhe brachte.

Im alten China traten auf Jahrmärkten Schachkünstler auf, die gegen jeden Herausforderer antraten oder Problemstellungen gegen Geldeinsatz enträtseln liessen. So mancher versuchte vom Schachspiel zu leben. Da Xiangqi bereits seit dem 12.Jahrhundert mit unveränderten Regeln gespielt wird, konnten die Profis unter ihnen schon auf bedeutende Klassiker der Schachliteratur zurückgreifen, die sie weiter zu verbessern versuchten. Chinesicher Mentalität entsprechend haben diese Lehrbücher häufig poetisch klingende Namen wie "Geheimnisse der Mandarinenblüte" oder "Blütensammlungen vom Pfirsichbaum". Es handelt sich bei ihnen zumeist um Eröffnungs- und Endspiellehrbücher.

Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Entwicklung des Spielstils in Europa zwar zeitverschoben, aber phasenhaft gleich abläuft. Einer frühen "Sturm- und Drangphase", in der kühnes Angriffsspiel auf Kosten von Verteidigung und planvollem Spielaufbau betrieben wird, folgt als Reaktion eine Besinnung auf die Theorie und Verfeinerung des Spielstils. Im 19.Jahrhundert erlebt das Schachspiel in China seine absolute Hochblüte. Jeder kennt es und jeder spielt es. Nur der Hof und der Beamtenadel hält sich vornehm fern, denn was das einfache Volk spielt, kann nicht gut sein ...

Die Geringschätzung in der offiziellen Literatur hat dem Ruf des Xiangqi im Ausland geschadet, denn die ersten Sinologen übernahmen unbesehen dieses Urteil und erwähnten die Existenz dieses Spiels nicht weiter. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts kam es unter den europäischen Schachspielern zu einem "Umdenken". Neue Namen tauchten auf (man denke an Charousek, Reti, Nimzowitsch u.a.), die neue Spielkonzeptionen vertraten und Aufsehen erregten. Just um die gleiche Zeit erscheinen auch in China neue Sterne am Himmel, die die ganze alte, in den "Blütensammlungen" und "Geheimnissen" niedergelegte klassische Schachtheorie kritisierten und einen neuen Spielstil schufen, der heute als "neuzeitliche Schachschule" bezeichnet wird. Der Sturz des Kaiserreichs 1911 und die sich daran anschliessende 38-jährige Phase von Bürgerkrieg, ausländischer Einmischung, japanischer Invasion, Verwicklung in den zweiten Weltkrieg und Revolution haben dem chinesischem Schach nachhaltig und schwer geschadet. Das Ende vieler angesehener Meister war tragisch.

Nach 1949 wurde das Schachleben in organisierter Form wieder aufgenommen und die lange brachgelegene Energie brach sich Bahn in einer tatsächlichen 3. Schachrevolution. "Moderne Schule" nennt man heute in der VR China das, was von Ihren Spitzenspielern dargeboten wird, und ihr Spielstil unterscheidet sich von dem der alten Meister wie bei uns ein Kasparov von Philidor. Der Einzugsbereich des Xiangqi reicht von Korea im Norden bis Thailand und Vietnam im Süden.

Auf periodisch ausgetragenen Weltmeisterschaften wird der Weltmeister des Xiangqi ermittelt. Als Spitzenspieler gilt Hu Ronghua, der - genauso wie Bobby Fischer -schon im Alter von nur 15 Jahren den Grossmeistertitel verliehen bekam. Fast genauso lange blieb er fast ununterbrochen Landesmeister. (Quelle:
DXB)

Hier nun eine kurze Beschreibung des Spiels aus dem Asien -Netzwerk:

Das Spielfeld: Das Spielfeld sieht zunächst dem europäischen Schachfeld ähnlich, beim chinesischen Schach wird jedoch nicht auf den 64 Feldern gespielt, sondern auf den sie begrenzenden Linien. Das Spielfeld besteht also aus 9x10 Schnittpunkten der Linien. Der freie Streifen in der Mitte des Spielfeld symbolisiert den Gelben Fluß (chin.: Huanghe), die auf beiden Seiten durch diagonale Linien markierten Quadrate stellen die Festungen der beiden Generäle dar.
Der Fluß kann im Spiel in gerader Richtung überquert werden, lediglich die "Elefanten" können dies nicht und bleiben so immer auf ihrer ursprünglichen Seite.

Die Regeln: Spielfiguren und ihre Zugmöglichkeiten: Chinesisches Schach wird mit jeweils 16 Steinen gespielt, die 7 verschiedene Figuren darstellen. Ein Spieler erhält die Steine mit grüner Aufschrift, sein Gegner die mit roten Zeichen. Rot beginnt das Spiel. Sollten Sie sich ein Original-Schachspiel aus China besorgen, so werden Sie feststellen, daß einige der Spielsteine unterschiedliche Schriftzeichen tragen, abhängig davon, ob sie zu "Grün" oder zu "Rot" gehören.

Der General: Wie beim europäischen Schach der König so ist auch beim chinesischen Schach der General die zentrale Figur, die geschützt bzw. geschlagen werden muß. Der General zieht ein Feld waagerecht oder senkrecht, nicht jedoch diagonal. Als Besonderheit beim chinesischen Schach dürfen der General und seine zwei Leibwachen die "Festung" nicht verlassen, sind also auf jeweils 9 Positionen beschränkt. Obwohl die beiden Generäle also immer auf Distanz bleiben, beeinflussen sie sich doch: sie dürfen nämlich nicht auf einer Linie stehen, ohne daß sich eine weitere Spielfigur zwischen ihnen befindet. Die Ausgangsposition des Generals am Beginn des Spiels ist e1 bzw. e10.

Die Leibwachen: Die zwei Leibwachen sind in ihrem Bewegungsspielraum noch eingeschränkter als der General, da sie sich lediglich in der Festung und dort auch nur einen Punkt diagonal bewegen können, also insgesamt fünf Positionen besetzen können. Die Ausgangspositionen der Leibwachen sind links und rechts neben dem General (d1/f1 bzw. d10/f10).

Die Elefanten: Die zwei Elefanten können den Gelben Fluß nicht überqueren und bleiben also während des gesamten Spiels auf ihrer Seite. Sie ziehen immer genau zwei Punkte weiter und dies immer diagonal. Damit hat ein Elefant auf seiner Seite insgesamt sieben Positionen zur Verfügung. Elefanten können diagonal nur ziehen, wenn keine andere Figur dazwischen steht - Elefanten können eben nicht springen. Ausgangsposition der Elefanten ist neben den Leibwachen (c1/g1 bzw. c10/g10).

Die Pferde: Die Pferde bewegen sich immer ein Feld geradeaus und dann ein Feld weiter diagonal. Dies entspricht auf den ersten Blick genau der Fortbewegung des Springers im europäischen Schach. Im Gegensatz zu diesem kann das chinesische Schach-Pferd jedoch nicht springen, d.h. eine Spielfigur auf dem nächsten Punkt in gerader Richtung versperrt dem Pferd den Zug auf die dahinter liegenden beiden diagonalen Punkte. Die Ausgangspositionen der Pferde sind neben den Elefanten auf der Grundlinie (b1/h1 bzw. b10/h10).

Die Wagen: Die zwei Wagen ziehen genauso wie im europäischen Schach die Türme beliebige Punkte geradeaus. Sie können nicht diagonal bewegt werden oder andere Spielsteine überspringen. Die Ausgangspositionen der Wagen sind in den Ecken des Spielfeldes (a1/i1 bzw. a10/i10).

Die Kanonen: Die Kanonen ziehen genau wie die Wagen beliebige Punkte in waagerechter oder senkrechter Richtung geradeaus. Unterschiede gibt es aber beim Schlagen gegnerischer Steine: Hierbei muß die Kanone nämlich grundsätzlich über einen eigenen oder einen gegnerischen Spielstein springen. Dieser kann auch mehrere Punkte entfernt stehen, es darf allerdings nur ein Spielstein übersprungen werden. Die Kanone muß nicht direkt hinter dem übersprungenen Stein landen. Eine spezielle Schlagvariante: Steht auf der geraden Linie hinter dem übersprungen Stein als nächste Spielfigur ein gegnerischer Stein, so kann dieser geschlagen werden. Dies ist allerdings nur zulässig, wenn der gegnerische Stein auch tatsächlich geschlagen wird, also: springen nur, wenn schlagen. Die Kanonen haben ihre Ausgangspositionen auf den Punkten b3/h3 bzw. b8/h8.

Die Soldaten: Sie ziehen immer einen Punkt in gerader Richtung vorwärts. Hat ein Soldat den Fluß überquert, so darf er auch in waagerechter Richtung ziehen. Ein Soldat zieht nie diagonal oder rückwärts. Erreicht ein Soldat die gegnerische Grundlinie, so kann er nur noch seitwärts ziehen. Ausgangspositionen für die jeweils 5 Soldaten sind die Punkte a4/c4/e4/g4/i4 bzw. a7/c7/e7/g7/i7.

Die Regeln: Schlagen, "Schach" und "Matt" :Geschlagen wird im chinesischen Schach immer am Zielpunkt eines Zuges. Kann eine Spielfigur mit ihrem Zug also einen Punkt erreichen, der von einem gegnerischen Spielstein besetzt wird, so kann dieser geschlagen werden und wird vom Spielfeld genommen. Es besteht jedoch kein Schlagzwang.

Schach dem General: Der General ist Schach, wenn ein gegnerischer Spielstein ihn bedroht (auf seine Position ziehen und ihn damit schlagen könnte) oder die beiden Generäle auf der gleichen senkrechten Linie stehen und sich keine weitere Spielfigur zwischen ihnen befindet.

Entsprechend ergeben sich grundsätzlich drei Möglichkeiten, sich aus dem Schach zu befreien:

Im Gegensatz zum europäischen Schach gibt es beim chinesischen Schach kein "Patt", es gibt also immer einen Gewinner. Kann der General nicht ziehen, ohne sich hiermit in eine Schach-Position zu begeben, so hat er das Spiel verloren. Ansonsten ist Gewinner des Spiels derjenige, der den gegnerischen General schlägt.

Interessante Links:

Viel Spaß beim chinesischen Schach!

Legende der Schachwelt: Prof. Arpad Elo (von Erhard Frolik)

Arpad Emrick Elo gilt als einer der brillanten Köpfe der Schachwelt - nicht nur, weil er Erfinder der nach ihm benannten Elozahl ist.

Arpad Emrick Elo wurde am 25.August 1903 bei Papa in Ungarn als Bauernsohn geboren. Im Alter von 10 Jahren kam er in die USA und brachte sich dort selbst das Schachspielen bei. Beruflich entschied er sich für die Naturwissenschaften. Nach dem Abschluss seines Studiums an der Universität von Chicago, lehrte er ab 1926 als Professor der Physik an der Marquette-Universität in Milwaukee.

Schach blieb Elo's Leidenschaft. Er nahm an verschiedenen Turnieren teil und wurde im Alter von 32 Jahren Meister von Wisconsin. Später erreichte er diesen Titel noch weitere siebenmal. Dass Arpad Elo sowohl ein begnadeter Schachspieler, als auch ein anerkannter Kämpfer für den Schachsport war, beweist die folgende Episode:

Es war im Jahre 1935 in Milwaukee (Wisconsin). Die Western Chess Association hatte sich gerade umbenannt in American Chess Federation und hielt ihre jährliche Meisterschaft und gleichzeitig ihren Kongress ab. Die Wahlen für die neuen Funktionäre sollten gerade beginnen, als einer der Delegierten, der amtierende Meister von Wisconsin, Arpad Elo, sich verspätete. Seine Partie (gegen Reuben Fine) dauerte noch an. Fine, damals einer der stärksten Spieler der Welt, hatte bereits am Anfang der Partie einen schlimmen Fehler gemacht. Mit dem Rücken zur Wand hoffte er auf ewiges Schach. Schließlich wurde die Partie wegen dreimaliger Stellungswiederholung Remis gegeben (Fine hatte in einem Damenendspiel zwei Bauern weniger) und Fine wurde Turniersieger. Als Arpad Elo verspätet zur Versammlung der Delegierten erschien, musste er feststellen, dass er in seiner Abwesenheit zum neuen Präsidenten der ACF (American Chess Federation) gewählt worden war.

Elo blieb Präsident bis 1937. Im Jahre 1939 vereinigten sich die beiden Organisationen ACF und NCF (National Chess Federation) zur United States Chess Federation
. Elo war maßgeblich an der Gründung beteiligt und wurde Mitglied im Direktorium des neu geschaffenen Verbandes.

1940 belegte Elo den geteilten 7.Platz beim U.S.Open. Insgesamt 40 Turniere hat Elo gewonnen. Im Jahre 1959 wurde Elo vom damaligen USCF-Präsidenten Jerry Spann gebeten, das von Kenneth Harkness geschaffene Wertungssystem des USCF zu verbessern, da das System nicht sehr genau war. Elo entwarf sein berühmtes Wertungssystem: das nach ihm benannte
Elo-System. 1960 übernahm es der USCF und 1970 der Weltschachverband FIDE. Inzwischen ist es weltweit zum Standard geworden.

1969 gab Elo sein Lehramt an der Marquette-Universität, das er seit 1926 innegehabt hatte, auf und ging in den Ruhestand. Von Zeit zu Zeit hielt er noch Vorlesungen an der Universität von Wisconsin. 1978 erläuterte Elo in seinem berühmten Buch "The Rating of Chessplayers Past and Present" nicht nur die Grundlagen von Wertungssystemen, sondern er veröffentlichte auch eine Eloliste historischer Schachspieler.

Prof. Arpad Elo starb am 5.11.1992 im Alter von 89 Jahren.
( Quelle: Freenet. Meome.de )

Die Schachnovelle - Zur Erinnerung an Stefan Zweig

Vor 60 Jahren, am 22.Februar 1942, nahm sich Stefan Zweig in seinem brasilianischen Exil in Petropolis das Leben. Stefan Zweig war zu seiner Zeit einer der bekanntesten und meist gelesenen Autoren. Heute kennt man ihn vor allem als Verfasser der Schachnovelle. In Zweigs letztem Werk dient Schach dem Helden als Mittel zum Überleben in der Gestapo-Haft und führt später zur monomanen Besessenheit.

Stefan Zweig spielte ja schon während seiner Salzburger Zeit nach dem Ersten Weltkrieg Schach. Während seiner letzten Jahre im brasilianischen Exil hatte er sich ein Schachbuch besorgt, bekannte Partien berühmter Meister analysiert und mit seinem Freund Ernst Feder regelmäßig Schach gespielt. Wenige Monate später vor seinem Freitod im Februar 1942 hatte er die Idee die Schachnovelle, die er allerdings viel zu selbstkritisch als „zu abstrakt für das große Publikum“ einschätzte- ein klares Fehlurteil in eigener Sache. Denn kaum ein Werk wurde vom breiten Lesepublikum so begeistert aufgenommen (was ja auch die Verfilmung von Gerd Oswald aus dem Jahr 1960, mit Curd Jürgens und Mario Adorf bewies) wie die „Schachnovelle“.

Titelbild des Buches "Schachnovelle"Das während der Überfahrt nach New York nach Buenos Aires auf einen Luxusdampfer stattfindende Schachduell der beiden Kontrahenten Dr. B. und dem eher tumben, halb alphabetischen Bauerntölpel und „Schachautomaten“ Mirko Czentovic wird zum Konflikt zweier gegensätzlicher Weltanschauungen und Kulturen. Der zivilisierte Österreicher Dr. B., ehemaliger Verwalter großer Klöster, aus dessen Familie Leibarzt des Kaisers stammt, repräsentiert den liberaldemokratischen aufgeklärten Geist Europas, während der ungehobelte, dreiste, größenwahnsinnige und geldgierige Czentovic den rücksichtslosen neuen Barbaren verkörpert. „Ist es nicht eigentlich verflucht leicht, sich für einen großen Menschen zu halten, wenn man Beethoven, ein Dante, ein Napoleon je gelebt haben?“, heißt es bei Zweig. „Dieser Bursche weiß in seinem vermauerten Gehirn nur das eine, dass er ebene nicht ahnt, dass es außer Schach und Geld noch andere Werte auf unserer Erde gibt, hat er allen Grund, von sich begeistert zu sein“. Der Schach-Roboter Czentovic, dieses „Spezimen intellektueller Eingleisigkeit“, kann sein „Phlegma und seine Imbezilität mit ordinärer Habgier“ überspielen und sich als Kulturbanause über die feinsinnigen Kulturträger, über gute Manieren und zivilisatorische Errungenschaften kaltlächelnd hinwegzusetzen. Er ist als Inkarnation einer dumpfen, gefühllosen Monomanie genau jener Prototyp des unzivilisierten, neuen Menschen“, vor dem es Stefan Zweig so grauste. Zutiefst deprimierte ihn Erfolg der Nazi-Truppen in Europa. Als die Wehrmacht auch in Nordafrika mit einer Gegenoffensive in Libyen die britische Armee zu überrollen schien und schließlich auch Singapur von den Japanern erobert wurde, war der anglophilie Zweig, dessen erste Exilstation ja London gewesen war, zutiefst erschüttert und verzweifelt. Für ihn schien damit der „Untergang des Abendlandes“ besiegelt, den Oswald Spengler ja in seinem Buch prophezeit hatte.

Das Großartige an der „Schachnovelle“ ist ja nicht nur die dramatische Schilderung des Duells am Brett, sondern auch das subtile Psychogramm eines Mannes, für den die Analyse der 150 Meisterpartien, die Beschäftigung mit dem Schach während der Gestapo-Haft einerseits zu erfolgreichen Überlebensstrategie wird, andererseits aber auch zur monomanen Besessenheit gerät und damit eine neue Gefährdung darstellt: „War es damals in der Zelle noch Schachspiel oder Wahnsinn.“ – dies will Dr. B. eben im Wettkampf mit dem Weltmeister herausfinden. Tatsächlich gewinnt Dr. B. die erste Partie, doch bei der zweiten gerät er in einen Fieberwahn und beginnt zu halluzinieren, weshalb der Erzähler zum Abbruch der Partie rät.

Bild von Stefan ZweigBiographie : Stefan Zweig, am 28.November 1881 in Wien geboren. Erste Gedichte als Gymnasiast unter dem Einfluss von Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke. Erste Veröffentlichungen seit 1901, anfangs Gedichte, später Erzählungen. Es folgen Übersetzungen französischer Autoren. Zweig veröffentlicht Feulletons, Dramen und eine erste Biografien. Viele Reisen und Begegnungen mit anderen Schriftstellern. Während des ersten Weltkrieges leistet Zweig Dienst im Kriegspressequartier (-1917). Später unter dem Einfluss von Romain Rolland (1866-1944) zunehmend pazifistische Weltsicht, auch verursacht durch eigene Erlebnisse in den Kriegsjahren in Galizien. Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse, ab 1919 Übersiedlung nach Salzburg (bis 1934), dort Veröffentlichung zahlreicher Erzählungen und Essays. Durch Vermittlung Maxim Gorkis Übersetzung der Werke ins Russische. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Flucht nach London (1934). Beschlagnahme und Verkaufsverbot seiner Bücher durch die Nazis 1936. 1940 nimmt Zweig die englischen Staatsbürgerschaft an, er verlässt Europa, geht erst nach New York, reist nach Argentinien, Paraguay und Brasilien, wo er sich 1941 niederlässt. Im gleichen Jahr veröffentlicht er die Schachnovelle. Am 22. Februar 1942 scheiden Stefan Zweig und seine Frau in Petropolis (Brasilien) "aus freiem Willen und mit klaren Sinnen" aus dem Leben. (Quelle: Chessbase.de)

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© Dieter Bischoff Stand: 05. Februar 2006